1 Roland Barthes hat diese doppelte Verbindung an den analogen
(nicht identischen) Begriffen "plaisir" und "jouissance" beschrieben:
"Plaisir du texte, texte de plaisir: ces expressions sont ambiguës
parce qu'il n'y a pas de mot français pour couvrir à la fois le
plaisir (le contentement) et la jouissance (l'evanouissement). Le
est donc ici (et sans pouvoir prévenir) tantôt extensif à la
jouissance, tantôt il lui est opposé." R.B., Le plaisir du texte.
Paris 1973. S.33retour
2 In stark vereinfachter Form sähe das Schema so aus:
Phantastik beschreibt die defensive Absetzung vom Bereich des Wissens
(Wissenschaft), die "ästhetische Willkür" thematisiert die
wechselseitige Konstitution von Ethik und Ästhetik und der Komplex des
"Genusses" (Willkür) die Überlappung von Kunst und Religion. Wie schon
aus diesem Miniaturschema ersichtlich zeigen diese Grenzbeschreibungen
eine je unterschiedliche Qualität: Die ausschließliche Beanspruchung
der "Wahrheit" (Gewißheit) seitens der Wissenschaft stellte und stellt
eine ständige Bedrohung für Kunst dar. Dieses Ausschlußverhältnis
macht die Konstituierung gegenüber dem anderen unmöglich, da das
andere seine Entstehung tarnt und Allgemeingültigkeit beansprucht.
(Hierzu natürlich: Foucault, Wahnsinn und Gesellschaft. Ff./M. 1973).
Ethik und Ästhetik tragen hingegen ihren Ursprungszwist als Stigma mit
sich und einander "feindschaftlich" durchs Leben. Das Verhältnis von
Kunst und Religion ist wiederum anders geartet. Hier bildet die Kunst
ihrerseits den usurpierenden Teil (wohl da der institutionalisierte
Diskurs der Religionsträger allmählich in Mißkredit geraten ist), der
dogmatisch-rational Unsagbares diese Bereichs sich einverleibt, mit
dem Anspruch, über nicht verbrauchte Strukturen der "Übermittlung" zu
verfügen (wodurch wieder eine Koalition zwischen zweier sich in Krise
befindenden Institutionen möglich wird...). Das sei nur am Fuße
bemerkt.retour
3 Vgl. die Eintragung im Grimmschen Wörterbuchretour
4 Vgl. R. Barthes, Le plaisir.... A.a.O. S.25retour
5 So wird etwa "jouissance" aus den "Lettres sur les désirs"
von Hemsterhuis bei Herder mit Genuß wiedergegeben.-Vgl. Binder,
A.a.O. S.16.retour
6 Vgl. 4.2. "In einem Range".!!!retour
7 Und mit dieser Hypothese steht und fällt das Cailloissche
Gebäude:
" (...) elle (la classification proposée - M.H.) aurait moins de
portée si on n'apercevait pas avec évidence que les divisions qu'elle
établit, correspondent à des impulsions essentielles et
irréductibles." R.Caillois, Les hommes...A.a.O. S.45.retour
8Vgl. S.30ff.retour
9 "Une dernière espèce de jeux rassemble ceux qui reposent sur
la poursuite du vertige et qui consistent en un tentative de détruire
pour un instant la stabilité de la perception et d'infliger à la
conscience lucide une sorte de panique volupteuse." A.a.O. S.45.retour
10 "Parallèlement, il existe un vertige d'ordre moral, un
emportement qui saisit soudain l'individu. Le vertige s'apparie
volontiers avec le goût normalement réprimé du désordre et de la
destruction." A.a.O. S.47retour
11 A.a.O. S.45. Der Todestrieb (in modifizierter Form) wurde
auch immer wieder zur Beschreibung einer Psychologie der Kreativität
herangezogen. Vgl. a. Anton Ehrenzweig, The Hidden Order of Art.
London 1967.retour